ReStart Reinhard Selten Equal Opportunity Talk – Karsten Hank (Universität zu Köln)

Prof. Dr. Karsten Hank (Universität zu Köln)

„Liebe in den Zeiten von COVID-19: Wie sich die Pandemie auf Partnerschaften auswirkt“

Am 10. November lädt ECONtribute zur ersten virtuellen Veranstaltung der Vortragsreihe „Reinhard Selten Equal Opportunity Talks (ReStart)“ ein.

Die COVID-19-Pandemie und die mit ihr einhergehenden Einschränkungen haben nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern insbesondere auch Familien hart getroffen. Auf Basis von Daten einer Sonderbefragung des Beziehungs- und Familienpanels pairfam, die es erlauben, die Situation unmittelbar vor und während der Coronakrise miteinander zu vergleichen, betrachtet der Vortrag unmittelbare Auswirkungen der Pandemie auf Partnerschaften in Deutschland. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen zwei zentrale Aspekte von Partnerschaften, nämlich (1) die Beziehungszufriedenheit und (2) die Aufteilung der Hausarbeit und Kinderbetreuung zwischen den Partner*innen. Neben z.T. deutlichen Veränderungen weisen die Befunde gleichzeitig auf eine erhebliche Stabilität etablierter Verhaltensmuster in Paarbeziehungen hin.

ECONtribute setzt mit der neuen Vortragsreihe ReStart einen besonderen Fokus auf Gleichstellungsthemen. Mehrmals im Jahr halten Expert*innen aus dem Cluster und hochrangige Gäste Vorträge, die verschiedene Gleichstellungsaspekte beleuchten und einem breiten Publikum aus der Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit näherbringen. Anschluss gibt es die Möglichkeit, in einem virtuellen Raum angesprochene Themen zu vertiefen.

Die Veranstaltung findet online via Zoom statt, um Anmeldung wird hier gebeten.

 

Programm:

17:00 – Begrüßung und Vorstellung des Exzellenzclusters ECONtribute und der Vortragsreihe ReStart (Barbara Boelmann)

17:10 – Vortrag „Liebe in den Zeiten von COVID-19: Wie sich die Pandemie auf Partnerschaften auswirkt“ (Prof. Dr. Karsten Hank)

17:45 – Diskussion mit dem Publikum

18:15 – virtueller Empfang

18:30 – Ende der Veranstaltung

 

Das Poster zur Veranstaltung finden Sie hier.

 

ECONtribute wird Partner der Initiative Klischeefrei

Klischeefrei ist eine 2016 gegründete bundesweite Initiative, die Akteure*innen aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung vereint. Gemeinsam setzen sie sich aktiv für geschlechtsunabhängige Berufs- und Studienorientierung ein.

Mit der neuen Partnerschaft arbeitet ECONtribute noch stärker auf das Ziel hin eine Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees zu schaffen. Ziel ist es individuelle Fähigkeiten zu fördern – unabhängig von Geschlechterrollen. Da gerade in den Wirtschaftswissenschaften Forscherinnen unterrepräsentiert sind, priorisiert ECONtribute die Förderung von Frauen durch ein vielfältiges, klischeefreies und inklusives Forschungs- und Arbeitsumfeld.

„Es benötigt die Zusammenarbeit aller am Bildungsprozess beteiligter Personen um ein Arbeitsumfeld frei von Geschlechterklischees zu schaffen. Gemeinsam mit der Initiative wollen wir Netzwerke und Synergien nutzen, um die Karrieremöglichkeiten von jungen Frauen in den Wirtschaftswissenschaften zu verbessern“, so Prof. Dr. Matthias Heinz, Gleichstellungsbeauftragter bei ECONtribute.

Mehr Informationen zur Initiative

Zum Interview mit Matthias Heinz und Tim Bock

Panel at VfS annual conference: „Women, Men and Taxes“: On the discrimination of women by the tax and transfer system

The Cluster of Excellence ECONtribute: Markets & Public Policy and the Institute for Economic Policy at the University of Cologne (iwp) cordially invite you to the panel: “Women, Men and Taxes“: On the discrimination of women by the tax and transfer system at this year’s VfS virtual annual conference.

The German tax system is superficially “gender-neutral”. Direct or immediate discrimination based on gender would have long since been examined and rejected by the Federal Constitutional Court.

From a gender perspective, however, there are factorswhich place women and men in certain social positions. In Germany, for example, the issue of spousal splitting has been discussed for decades.The tax system distinguishes between married couples and singlesand has deduction possibilities for tax-payers with children. Are those deductionsgender-neutral?Also, thepension system has rules for crediting time on parental leave or care of the elderly. What is the effect?

The discussion will not only focus on whether and which discriminatory regulations in the tax and transfer system can be identified from an economic point of view, but also on whether reforms in these areas are more likely to encounter practical implementation problems or actual political conflicts.

The panel discussion centers around the following questions:

  • How does the tax and transfer system interfere with the lives ofmen and women? E.g. is the labor market participation of women more discouraged than the labor participation of men?
  • To what extent is there undesirable discrimination?
  • What are avenues for reform?
  • Why is there persistent discrimination? Why are reforms politically difficult?

Panel discussion:

  • Prof. Miriam Beblo (University of Hamburg, Expert Commission of the German Federal Government’s 9th Family Report, Independent Expert Commission for the Third Gender Equality Report of the German Government)
  • Prof. Andreas Peichl (ifo Center for Macroeconomics and Survey, University of Munich)
  • Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn (Habilitated economist, member of the German Bundestag and spokesperson for labor market policy of the parliamentary group of Bündnis 90 / Die Grünen)

Moderation:

Prof. Michael Krause (Institute for Economic Policy at the University of Cologne [iwp], Cluster of Excellence ECONtribute: Markets & Public Policy)

The panel takes place as part of the annual conference of the Verein für Socialpolitik.

Date & time: 29th of September, 16:45 – 18:15 o’clock.

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Finanzbranche beschäftigt häufig vertrauensunwürdige Mitarbeiter

Wissenschaftler machen einen möglichen Grund für die vielen Skandale in der Finanzwelt aus: Arbeitnehmer in dieser Branche sind häufig weniger vertrauenswürdig und weniger sozial eingestellt.

Ob Cum-Ex-Geschäfte oder Wirecard – in regelmäßigen Abständen erschüttert ein Skandal die Finanzindustrie. Das ohnehin bereits gebeutelte Image sinkt nach jeder neuen Enthüllung und Kunden, Politik und Gesellschaft verlieren zunehmend Vertrauen. Matthias Heinz und Matthias Sutter, beides Ökonomen des Exzellenzclusters ECONtribute: Markets & Public Policy der Universitäten Köln und Bonn, haben gemeinsam mit Heiner Schumacher (KU Leuven) und Andrej Gill (Universität Mainz) einen möglichen Grund für die Skandale der Finanzbranche gefunden: Sie haben in einer experimentellen Studie die Vertrauenswürdigkeit von Studierenden gemessen und festgestellt, dass die am wenigsten vertrauenswürdigen später verstärkt in der Finanzindustrie arbeiten.

Dazu führten die Wissenschaftler eine Langzeitstudie mit Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt durch. In einer ersten Welle im Jahre 2013 befragten sie 265 Studentinnen und Studenten nach ihren Berufswünschen, sozialen Präferenzen und Persönlichkeitsmerkmalen. Zusätzlichen testeten sie in einem computergestützten Laborexperiment, einem so genannten Trust Game, wie vertrauenswürdig die Studierenden sind. Die Studierenden erhielten acht Euro und konnten einer zweiten Person einen Betrag zwischen 0 und 8 Euro geben. Der Betrag wurde von den Forschern anschließend verdreifacht und die zweite Person konnte dann entscheiden, wieviel sie hiervon der ersten Person zurückgeben wollte.  Personen, die einen höheren Betrag zurückgaben galten vertrauenswürdiger als andere.Das Ergebnis: Studierende, die ihre Karriere in der Finanzwelt planten, waren um 30 Prozent weniger vertrauenswürdig, als solche, die nach ihrem Studium ihren Berufseinstieg in einer anderen Branche sahen. 2019 und 2020 wiederholte das Forschungsteam die Befragung und stellte fest, dass die weniger vertrauenswürdigen Personen auch tatsächlich in der Finanzwelt einen Job angenommen hatten.

Finanzunternehmen wissen um die Rolle der Vertrauenswürdigkeit

Vertrauen hat in der Finanzwelt einen besonders hohen Stellenwert – und ist Grundlage für eine Geschäftsbeziehung zwischen Kunden und Beratern. Nutzen Berater das ihnen entgegengebrachte Vertrauen aus, indem sie die ihnen vorhandenen komplexen Informationen der Finanzwelt besser einzuschätzen wissen als ihre Kunden, kann es zu einem Fehlverhalten der Mitarbeiter im Finanzwesen kommen. Das wiederum kann zur Quelle für Skandale und Betrug werden. Dem könnte die Finanzwelt entgegenwirken, in dem sie die weniger vertrauenswürdigen Mitarbeiter bei der Einstellung aussortiert – die Forschungsergebnisse lassen jedoch einen anderen Schluss zu:

„Studierende, die in der wettbewerbsintensiven Finanzwelt arbeiten möchten, sind weniger vertrauenswürdig als jene, die in anderen Branchen arbeiten wollen. Die Finanzwelt scheint aber weniger vertrauenswürdige Personen im Laufe eines Einstellungsprozesses nicht auszusortieren, sondern tatsächlich einzustellen. Zudem wechseln nur vier Prozent der Arbeitnehmer aus den Finanzen in eine andere Branche, was die Auswahl der Mitarbeiterinnen besonders wichtig macht.“, erläutert Matthias Heinz, Professor bei ECONtribute: Markets & Public Policy und an der Universität zu Köln die Ergebnisse. Es sei weitere Forschung notwendig, um Einstellungsprozesse in der Finanzwelt zu verstehen und Implikationen für die Politik abzuleiten, fasst das Wissenschaftler-Team zusammen.

Die Studie ist als ECONtribute-Discussion Paper erschienen: https://ideas.repec.org/p/ajk/ajkdps/022.html

You can find the English version of the press release here.

Über ECONtribute: Markets & Public Policy

Die Studie ist im Rahmen des Exzellenzclusters ECONtribute: Markets & Public Policy entstanden. Es handelt sich dabei um den einzigen wirtschaftswissenschaftlichen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Exzellenzcluster – getragen von den Universitäten in Bonn und Köln sowie dem Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und dem Institute on Behavior & Inequality (briq). Der Cluster forscht zu Märkten im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ziel von ECONtribute ist es, Märkte besser zu verstehen und eine grundlegend neue Herangehensweise für die Analyse von Marktversagen zu finden, die den sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit, wie zunehmender Ungleichheit und politischer Polarisierung oder globalen Finanzkrisen, gerecht wird.

 

Inhaltlicher Kontakt:

Professor Dr. Matthias Sutter

Lehrstuhl für Economics: Design & Behavior an der Universität zu Köln

Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern Bonn

matthias.sutter@coll.mpg.de

Professor Dr. Matthias Heinz
Proffesur für Strategie an der Universiät zu Köln
heinz@wiso.uni-koeln.de

 

Presse und Kommunikation:

Katrin Tholen

+49 221 470 3555

tholen@wiso.uni-koeln.de

Three Starting Grants in economics: Economists receive coveted European Research Council funding

Starting Grants from the European Research Council (ERC) are highly coveted, because they provide young researchers with funding of up to 1.5 million euros over five years. In economics, three researchers from the University of Bonn and the Behavior and Inequality Research Institute (briq) will now benefit from this funding. The successful candidates are also members of the Clusters of Excellence ECONtribute: Markets & Public Policy and the Hausdorff Center for Mathematics (HCM).

Prof. Dr. Francesc Dilmé works at the Institute for Microeconomics at the University of Bonn and is a member of the Clusters of Excellence ECONtribute, Hausdorff Center for Mathematics and a cross-locational Collaborative Research Center with Mannheim. He wants to use the ERC Starting Grant to investigate price negotiations in dynamic markets: “The aim is to develop a new systematic analysis of markets where market participants have different levels of information.”

Dilmé expects the EU funding to enable him to attract leading researchers from his field to Bonn and to have more time for his research. “The Starting Grant allows me to contribute to the understanding of how information is transmitted through prices in decentralized markets, such as real estate and financial markets,” he says. He also wants to examine the efficiency of these markets and assess the effectiveness of different regulations.

Dilmé studied physics and mathematics in Barcelona (Spain) before graduating in economics at the London School of Economics (England) and completing a doctorate at the University of Pennsylvania (USA). He joined the University of Bonn in 2013 and has been a professor there since 2019. In 2017 he spent a six-month research stay at the University of California, Berkeley.

New possibilities for data analysis

Prof. Dr. Joachim Freyberger from the Institute of Finance and Statistics at the University of Bonn is a member of the Hausdorff Center for Mathematics and plans to use his Starting Grant to develop new statistical methods. “The increasing availability of large data sets and, at the same time, the greatly increased processing power of computers offer new possibilities for analyzing data,” says Freyberger. Various applications of the new methods should result in more reliable conclusions.

He would like to use the EU funding to strengthen his networking with international researchers and to train doctoral students.

Born in Bonn, he studied econometrics and operations research in Maastricht (Netherlands) and received his doctorate in economics from Northwestern University (USA). After six years at the University of Wisconsin (USA), Freyberger has been a professor at the University of Bonn since 2019.

How do our memories influence opinions and expectations?

Economics assumes that people act with foresight. Decisions depend on individual perceptions and expectations, for example when buying shares. “The aim of the project is to better understand the process through which opinions and expectations are formed,” says Prof. Dr. Florian Zimmermann. “The approach here is to use insights from memory research.”

The researcher works at the Behavior and Inequality Research Institute (briq) at the University of Bonn and is a member of ECONtribute. The project, which is supported by the ERC with a Starting Grant, is based on the assumption that when forming opinions and expectations, the mind is often intuitively asked about prior knowledge and experience on a certain topic. “Belief-based decisions are not only relevant for individual economic outcomes but may also have important effects on the economy as a whole,” says the researcher.

Zimmermann studied economics in Mannheim and at the University of California, Los Angeles (USA) and earned his doctorate at the Bonn Graduate School of Economics (BGSE) at the University of Bonn. After research stays at the University of California, San Diego, and Harvard University as well as a postdoctoral period at the University of Zurich, he joined briq in 2017, where he has been a professor since 2019.

ERC Starting Grants support excellent young researchers

The European Research Council awards Starting Grants to outstanding young researchers. The funding from Brussels is up to 1.5 million euros for five years.

Cluster of Excellence ECONtribute and Hausdorff Center for Mathematics

ECONtribute: Markets & Public Policy is the only economic Cluster of Excellence and a joint initiative of the universities of Bonn and Cologne. The Cluster’s research focuses on markets at the interface between business, politics and society. The Cluster aims to advance a new paradigm for the analysis of market failure in light of fundamental societal, technological and economic challenges, such as increasing inequality and political polarization or global financial crises.

The Hausdorff Center for Mathematics (HCM) is a Cluster of Excellence of the University of Bonn. With six units, its research spectrum ranges from pure and applied mathematics to mathematically oriented questions of economics and interdisciplinary research. A central goal of the HCM is the promotion of young researchers in an independent and international environment.

Download the German version of the press release.

Media contact:

Katrin Tholen

PR Manager

ECONtribute: Markets & Public Policy

Tel. +49-(0)228-737808

E-mail: katrin.tholen@uni-bonn.de

 

Prof. Dr. Francesc Dilmé

Institut für Mikroökonomik der Universität Bonn

Cluster of Excellence ECONtribute und Hausdorff-Zentrum für Mathematik

Tel. +49-(0)228-737957

E-mail: fdilme@uni-bonn.de

 

Prof. Dr. Joachim Freyberger

Institut für Finanzmarktökonomie und Statistik der Universität Bonn

Exzellenzcluster Hausdorff-Zentrum für Mathematik

Tel. +49-(0)228-739268

E-mail: freyberger@uni-bonn.de

 

Prof. Dr. Florian Zimmermann

Behavior and Inequality Research Institute (briq)

Exzellenzcluster ECONtribute

Tel. +49-(0)228-3894704

E-mail: florian.zimmermann@briq-institute.org

Christine Laudenbach expands the Cluster of Excellence as new professor

From left to right: Prof. Moritz Kuhn, deputy spokesperson ECONtribute: Markets & Public Policy, Prof. Christine Laudenbach, Uwe Scheifgen, HR Department, University of Bonn

As of September 1, 2020, Christine Laudenbach will be new Associate Professor at the Faculty of Law and Economics at the University of Bonn and in the Cologne-Bonn Cluster of Excellence ECONtribute. Laudenbach received her PhD from the University of Mannheim in 2012 and then moved to the Goethe University in Frankfurt, where until now she worked as a postdoctoral researcher in the area of finance. “I am excited about my tasks, both at the University of Bonn and in the Cluster of Excellence, and I am looking forward to the upcoming years,” said Laudenbach at her appointment on Monday.

Laudenbach’s research focuses on behavioral economics and household finance. Her research interests include investment strategies and the behavior of private individuals with regard to their finances. Most recently, she published her first book on simple wealth strategies.

“We are very pleased that we could win Christine Laudenbach for the Cluster of Excellence and the University. She is a great enrichment for the entire faculty and we wish her a successful start”, said Thomas Dohmen, spokesperson of ECONtribute: Markets & Public Policy.

 

Auswege aus der Wirtschaftskrise: Top-Ökonomen formulieren Grundsätze für eine erfolgreiche Bewältigung

Seit Beginn der Corona-Pandemie stecken viele europäische Länder in einer Rezession. Um die wirtschaftlichen Folgen besser abzufedern, formulieren führende Wirtschaftswissenschaftler, darunter die Ökonomen Moritz Kuhn und Christian Bayer von der Universität Bonn, in einem offenen Brief Grundsätze für die Wirtschaftspolitik um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zu bewältigen.

In dem Schreiben, das auf dem Politikanalyseportalen VoxEU und der deutschsprachigen Internetplattform „Ökonomenstimme“ veröffentlicht wurde, schlagen die Ökonomen verschiedene Maßnahmen vor und beschreiben Leitlinien für die Politik, die europaweit und frei von nationalstaatlichen Interessen zu empfehlen seien. Wichtig sei es derzeit vor allem, Haushalte, die von der Krise getroffen seien, kurzfristig durch Transferleistungen zu helfen die ökonomischen Folgen der Krise abzufedern. Transferzahlungen bieten darüber hinaus die wichtige Möglichkeit, Einschränkungen aufrecht zu erhalten, um die Gesundheitssituation unter Kontrolle zu behalten. Die Ökonomen empfehlen außerdem, mit einem Strukturwandel – wie aus der Klimapolitik gefordert – zu warten. Diesen anzugehen sei erst sinnvoll, wenn sich die Lage stabilisiere. Ansonsten drohe eine weitaus tiefere Rezession. Politische Unsicherheiten müsse man über klare Kommunikation reduzieren und frühzeitig mitzuteilen, welche politischen Regeln auf die Gesellschaft zukämen. Die Politik müsse sich bemühen, heute schon Pläne für verschiedene Szenarien zukünftiger Entwicklungen zu formulieren und zu kommunizieren.

Von der europäischen Gemeinschaft lernen

Moritz Kuhn ist Professor für Wirtschaft an der Universität Bonn und gehört dem Exzellenzcluster ECONtribute an. Er sagt: „Wichtig ist es auch, die internationale Zusammenarbeit weiterhin zu stärken, Informationen innerhalb der Staatengemeinschaft auszutauschen und zu überprüfen wo von Best-Practices gelernt werden kann. So kann populistischen Strömungen vorgebeugt werden.“ Die Ökonomen können sich als Unterstützung dazu einen unabhängigen wissenschaftlichen Wirtschaftsausschuss vorstellen. Dieser könnte die Politikmaßnahmen in den verschiedenen Regionen Europas bewerten und koordinieren, spezifische strategische Entwicklungsstrategien entwickeln und den zuständigen nationalen Ministerien wirtschaftspolitische Ideen für ihre Regionen an die Hand geben.

Multilaterale Handelsbeziehungen wieder aufnehmen

In der aktuellen Krise hat sich deutlich gezeigt, dass die Weltwirtschaft zu einem großen Geflecht an Handelsbeziehungen zusammengewachsen ist. Es gelte, diese Handelsbeziehungen so schnell wie möglich wieder aufzunehmen und die geringen innereuropäischen Handelsbeschränkungen zu nutzen. Konjunkturmaßnahmen seien notwendig, um die Volkswirtschaften wieder in Schwung zu bringen. Angesichts der derzeit niedrigen Zinssätze empfehlen die Ökonomen, dass europäische Regierungen mit finanziell stärkeren Haushalten in Länder mit schwächeren Haushalten „investieren“, ohne dass eine instabile Schuldendynamik ausgelöst würde. Dies ermögliche ein schnelleres Ende der durch die Corona-Krise ausgelösten Rezession und ist auf Grund der engen Handelsbeziehungen auch in deren eigenem Interesse.

 Zum Originaltext auf VoxEU

Zum deutschen Beitrag auf der Ökonomenstimme

 

Pressekontakt:

Katrin Tholen

ECONtribute:Markets & Public Policy

PR Manager

Tel. 0228 / 73 78 08

E-Mail: katrin.tholen@uni-bonn.de

 

Kontakt zum Autor:

Prof. Dr. Moritz Kuhn

Institut für Makroökonomik und Ökonometrie

Universität Bonn

Tel. 0228/7362096

E-Mail: mokuhn@uni-bonn.de

Direktbesteuerung von CO2 ermöglicht mehr freiwilliges Handeln im Klimaschutz

Direktbesteuerung von CO2 ermöglicht mehr freiwilliges Handeln im Klimaschutz  / Experimentell gestützte Studie von Axel Ockenfels, Peter Werner und Ottmar Edenhofer

Emissionen von CO2 können auf zwei Wegen einen Preis bekommen: Direkte Bepreisung durch eine Steuer oder Festlegung der Obergrenze der CO2-Emissionen mit anschließendem Handel von Emissionsberechtigungen. Eine neue Studie auf Basis eines wissenschaftlich kontrollierten Experiments beleuchtet einen bislang kaum erforschten Aspekt: die Anreizwirkung beider Varianten auf Akteure, die jenseits ihrer ökonomischen Interessen moralisch handeln wollen. Die Studie zeigt: Die direkte Bepreisung durch Steuern führt zu einem deutlich geringeren CO2-Ausstoß im Experiment.

Die Studie wurde von den Ökonomen Axel Ockenfels, Peter Werner und Ottmar Edenhofer erstellt und jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Nature Sustainability veröffentlicht. Das Papier wurde unter anderem mit Unterstützung des „Center for Social and Economic Behavior“ der Universität zu Köln und im Kontext des DFG Cluster of Excellence ECONtribute erstellt.

An dem Experiment für die Studie haben rund 1000 Studentinnen und Studenten in dem Kölner Laboratorium für Wirtschaftsforschung mitgewirkt. In dem Experiment wird eine vereinfachte Welt von Produzenten und politischen Entscheidern gebaut, um die beiden Varianten der CO2-Bepreisung zu simulieren. Im Kern läuft es so: Zehn Produzenten legen in einem wettbewerblichen Markt fest, wie viel sie produzieren möchten, wobei eine größere Produktionsmenge mehr CO2-Emissionen mit sich bringt. Welche Produzenten zum Zuge kommen und tatsächlich emittieren, hängt von dem Ergebnis des Wettbewerbs sowie von so genannten Entscheidern ab. Diese geben in dem einen Teil des Experiments vor, wieviel Tonnen CO2 in einem Markt insgesamt emittiert werden dürfen (indirekte Preissteuerung durch Mengenbegrenzung), und in dem anderen Teil, wie viel Euro der Ausstoß einer Tonne CO2 kosten soll (direkte Preissteuerung durch Steuer). Am Ende wird den Produzenten der Ertrag abzüglich der Emissionskosten in echtem Geld ausgezahlt. Ein besonderer Anreiz für die Teilnehmer ist, dass jede nicht emittierte Tonne CO2 im Experiment auch in der realen Welt vermieden wird, denn über eine Umweltorganisation wird ein Zertifikat im EU-Emissionshandelssystem gekauft und stillgelegt.

Mit mehreren Abwandlungen dieses Experiments führt die Studie vor, welche Motivationen das Verhalten beeinflussen und welche Anreize wirken. Sobald die Konsequenz „echter CO2-Ausstoß in der realen Welt“ bekannt ist, erlauben die Entscheider deutlich weniger Ausstoß, und die Produzenten engagieren sich weniger für eine solche Erlaubnis. Bei der Variante der direkten Bepreisung von CO2 durch eine Steuer – wenn die Entscheider also einen Euro-Betrag pro Tonne CO2 vorgeben und nicht die Anzahl der erlaubten Tonnen – emittieren die Produzenten im Ergebnis zudem deutlich weniger.

Ein Grund ist, dass moralisches Verhalten bei einer Mengenbegrenzung lediglich den Verschmutzern im Markt Platz für mehr CO2-Emissionen macht. Ockenfels erläutert: „Eine direkte Bepreisung von CO2-Emissionen besitzt im Kampf gegen den Klimawandel viele Vorteile im Vergleich zu indirekten Mechanismen. Unsere Studie ergänzt einen Aspekt, der bisher oft übersehen wurde: Viele Menschen und Institutionen verhalten sich moralisch und möchten uneigennützig zum Klimaschutz beitragen. Bei einer Mengenbegrenzung werden jedoch die Treibhausgase, die ich eingespart habe, von anderen zusätzlich emittiert. So werden viele Anstrengungen zunichtegemacht. Eine direkte Preissteuerung kennt solche bloßen Verschiebungen der Emissionen bei moralischem Verhalten nicht.“

Professor Dr. Ockenfels leitet das Exzellenzzentrum für Soziales und Ökonomisches Verhalten an der Universität zu Köln und ist Mitglied im DFG Exzellenzcluster ECONtribute, Peter Werner ist Associate Professor in Verhaltensökonomik an der Universität Maastricht, und Ottmar Edenhofer ist Direktor des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change) sowie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

 

Inhaltlicher Kontakt:       

Prof. Dr. Axel Ockenfels

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Zentrum für Soziales und Ökonomisches Verhalten

+49 221 470-5761

ockenfels@uni-koeln.de

 

Zur Publikation

 

 

Equal Opportunity at ECONtribute: What we know, what we do & what we have achieved (so far)

Equal Opportunity at ECONtribute:

What we know, what we do & what we have achieved (so far)

Given the underrepresentation of female researchers in academia, the promotion of gender equality is a central structural objective of the Cluster of Excellence ECONtribute: Markets & Public Policy. Both the universities of Bonn and Cologne are giving a high priority to the promotion of female researchers by creating a diverse and inclusive environment and by offering a variety of support measures to female researchers.

On the basis of the new book “Women in Economics”, from the Centre of Economic Policy Research (CEPR), edited by Shelly Lundberg (Distinguished Professor of Economics at the University of California Santa Barbara), ECONtribute has analysed current data and research on the issues of gender economics. The book examines the role and progress of women in professional economics and reviews the barriers that women face at various stages of the training and promotional pipeline. It also evaluates programs designed to support and encourage female economists, and discusses the benefits of greater gender equality across the economics research profession.

Since its start in January 2019, ECONtribute has implemented several measures to promote equal opportunity within the Cluster of Excellence such as the award winning hiring concept (Jenny-Gusyk-Prize from the University of Cologne), increased its female professorial staff, introduced the ReStart Equal Opportunity Talks to raise public awareness as well as providing childcare facilities and Women-only Events.

ECONtribute has created two posters, that summarise the latest research of “Women in Economics” and combine it with the current equal opportunity measures within the cluster.

 

Download the Poster:

What we know and what we do | deutsche Version

What we have achieved (so far) | deutsche Version

 

Gewappnet für die nächste Welle: Führende Wirtschaftswissenschaftler empfehlen neues Verteilsystem von lebenswichtigen medizinischen Gütern

Das Coronavirus hat die Nachfrage nach Schutzausrüstung, Medikamenten und anderen lebenswichtigen Medizingütern in ungeahnte Höhen schnellen lassen. Menschen sterben, wenn die Nachfrage nicht gedeckt werden kann. Viele Regierungen versuchen, so viele lebensrettende Ressourcen wie möglich zu beschaffen. Es stellt sich die Frage, nach welchen Verfahren diese Ressourcen – sowie zukünftig Medikamente und Impfstoffe – verteilt werden sollen.

Axel Ockenfels und Peter Cramton, Wirtschaftswissenschaftler im Zentrum für Soziales und Ökonomisches Verhalten der Universität zu Köln sowie im Exzellenzcluster ECONtribute, schlagen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nature gemeinsam mit Wirtschaftsnobelpreisträger Alvin Roth und Robert B. Wilson (beide Stanford University) ein neues Verteilsystem für medizinische Güter vor.

Dabei ziehen sie Parallelen zu Märkten, die explizit Regeln für Notsituationen vorsehen (wie Strommärkte), sowie zu Märkten, bei denen der Verkauf an den Höchstbieter nicht akzeptabel ist (wie es etwa bei der Verteilung von Nahrungsmittelspenden an Tafeln der Fall ist).

Die Autoren, allesamt führende Experten in dem Forschungsfeld Marktdesign, empfehlen die Einrichtung einer zentralen Clearingstelle, die für die Zuteilung zuständig ist. Moderne Algorithmen könnten die Bedarfe der Krankenhäuser schätzen und die Zuteilung über Zeit und Raum optimieren helfen. Durch die Einführung einer speziellen Währung für essenzielle Güter könnten Preise ihre wichtige Steuerungsrolle übernehmen, ohne dass die Güter einfach nur an die reichsten Einrichtungen gesendet werden. Die spezielle Währung helfe auch, Krankenhäuser dabei zu motivieren, eigene Reserven anzubieten und sich zu koordinieren. Regierungen sollten einen Markt für medizinische Versorgungsgüter fördern, der in Krisenzeiten nahtlos auf den Notfallmodus umschalten könnte.

Das Coronavirus wird uns noch viele Monate beschäftigen. Es wird neue Wellen und Mutationen geben. Ein erfolgreicher Impfstoff wird neue Knappheiten erzeugen. Die Autoren zeigen, wie wir beim nächsten Mal besser vorbereitet sein können.